Social Media gilt bei vielen KMU als der Kanal, der nichts kostet. Jemand im Team macht die Posts nebenbei, das Budget bleibt bei null. Diese Rechnung stimmt nur, solange man Arbeitszeit nicht als Geld betrachtet. Und sie geht davon aus, dass gepostete Inhalte auch gesehen werden. Beides trifft heute nicht mehr zu.

Was organisch überhaupt noch ankommt

Die organische Reichweite von Unternehmensseiten auf Facebook liegt bei 2 bis 5 Prozent der eigenen Follower pro Beitrag. Auf Instagram erreicht ein Feed-Post im Schnitt rund 12 Prozent der Follower, eine Story etwa 2 Prozent. Bei 800 Followern reden wir also von einigen Dutzend Menschen pro Beitrag, von denen dich die meisten ohnehin schon kennen.

Der wichtigere Punkt liegt dahinter: Die Verteilung hängt kaum noch an deiner Followerzahl. Meta verteilt Inhalte heute über Empfehlungen nach Interesse, nicht über den sozialen Graphen. Wer folgt, garantiert dir nichts. Wer nicht folgt, kann dich trotzdem sehen, wenn der Inhalt die richtigen Signale liefert.

Damit verschiebt sich die eigentliche Aufgabe. Es geht nicht darum, Follower zu sammeln und diese dann zu bespielen, sondern darum, Inhalte zu produzieren, die bei fremden Menschen bestehen.

Warum Bilder posten dafür nicht reicht

Reichweite bei Nicht-Followern entsteht fast ausschliesslich über bewegte Formate. Reels erreichen rund 2,25-mal so viele Menschen wie statische Beiträge. Ausgewertet werden dabei Verweildauer und wie oft ein Beitrag per Direktnachricht weitergeschickt wird. Ein Produktfoto mit drei Zeilen Text liefert diese Signale nicht.

Dazu kommt die Originalität. Wer regelmässig fremde Inhalte weiterverwendet, wird aus den Empfehlungen ausgeschlossen. Reposts und Memes füllen den Kalender, aber sie erzeugen keine Distribution.

Und mehr posten hilft nur begrenzt. Der Grenznutzen kippt bei etwa drei bis fünf Beiträgen pro Woche. Ab dort bringt zusätzliche Frequenz wenig, solange die Qualität nicht steigt.

Das ist die eigentliche Hürde. Inhalte, die einen eigenständigen Wert haben, für jemanden, der deine Firma nicht kennt, und die gut genug gemacht sind, dass daraus ein Grund entsteht, dir zu folgen. Das braucht Ideen, Produktion, Schnitt und jemanden, der sich verantwortlich fühlt. Nebenbei entsteht das nicht.

Was organischer Content tatsächlich kostet

Zehn Stunden interne Arbeitszeit pro Woche entsprechen bei einem kalkulatorischen Satz von 50 Franken rund 2'000 Franken im Monat. Das ist der reale Preis von Gratis-Marketing, nur steht er auf keiner Rechnung. Extern betreut liegt eine laufende Social-Media-Betreuung in der Schweiz bei 3'500 bis 5'500 Franken monatlich, Pakete inklusive Werbeschaltung darüber.

Die Frage lautet also nicht «organisch oder bezahlt», sondern: Was bekomme ich für 2'000 Franken Arbeitszeit, und was bekäme ich für 2'000 Franken Mediabudget?

Was du mit bezahlter Reichweite kaufst

Werbung auf Meta liefert genau das, was organisch nicht planbar ist: Du bestimmst, wer deine Botschaft sieht, zu welchem Thema und in welchem Volumen. Die Reichweite hängt nicht davon ab, ob ein Beitrag algorithmisch anspringt.

Die Kosten sind in Märkten wie der Schweiz, Deutschland und Österreich moderater als in den USA. Der Tausenderkontaktpreis bewegt sich zwischen 5 und 15 Euro, der Klickpreis zwischen 0.40 und 2.00 Euro. Global sind die Kontaktpreise zuletzt um rund 20 Prozent gestiegen, was den Druck auf die Werbemittel erhöht. Schwache Creatives werden teurer, gute halten dagegen.

Wirksam wird bezahlte Reichweite dort, wo sie in Schritten aufgebaut ist. Ein Video für den Erstkontakt, danach Referenz oder Beweis, dann das Angebot. Solche aufeinander aufbauenden Kampagnen liefern deutlich bessere Ergebnisse als eine einzelne Angebotsanzeige an eine kalte Zielgruppe.

Wo organisch trotzdem unverzichtbar bleibt

Bezahlte Anzeigen führen Menschen auf dein Profil. Was sie dort finden, entscheidet mit über die Wirkung. Ein Account, dessen letzter Beitrag aus dem letzten Jahr stammt, kostet Vertrauen, teilweise mehr als gar kein Profil.

Dazu kommen Ziele, für die es keine Anzeigenkampagne gibt: Bindung bestehender Kunden, Einblick ins Unternehmen, Kundenservice über Direktnachrichten und Rekrutierung. Gerade der letzte Punkt wird unterschätzt. Wer über eigene Inhalte eine Stelle besetzt, spart eine Vermittlungsprovision, die schnell im fünfstelligen Bereich liegt.

Organische Präsenz ist damit die Grundlage, bezahlte Reichweite der Verstärker. Beides hat einen anderen Zweck, und beides ersetzt das andere nicht.

Was in der Schweiz dazukommt

89 Prozent der Bevölkerung nutzen soziale Medien, die Nutzung von Facebook und Instagram stagniert allerdings. Der Markt wächst nicht mehr, du konkurrierst um bestehende Aufmerksamkeit.

Das hohe Lohnniveau macht ineffiziente Produktion teurer als anderswo. Wer drei Sprachregionen bedient, produziert im Zweifel dreimal, oder er bespielt bewusst nur eine Region. Beides ist eine Entscheidung, keine Nebensache.

Und beim Messen: Seit dem Wegfall vieler Tracking-Signale weisen die Werbekonten weniger Conversions aus, als tatsächlich stattfinden. Ohne serverseitige Übermittlung über die Conversions API unterschätzt du deine eigenen Ergebnisse und stellst womöglich Kampagnen ab, die funktionieren. Unter dem revidierten Datenschutzgesetz braucht das eine saubere Consent-Lösung.

Wie du entscheidest

Der Test ist ein Ressourcen-Test, keine Kanaldiskussion. Vier Fragen:

  1. Gestaltung. Kannst du Bild und Video auf einem Niveau produzieren, das im Feed neben professionellen Inhalten besteht?
  2. Redaktion. Hast du genug zu sagen, damit drei bis fünf Beiträge pro Woche einen Wert für Fremde haben?
  3. Prozess. Gibt es eine feste Verantwortung und einen Ablauf, oder passiert es, wenn gerade Zeit ist?
  4. Ausdauer. Hältst du das zwölf Monate durch, auch wenn die ersten Monate wenig zeigen?

Dreimal Nein bedeutet nicht, dass du auf Social Media verzichten sollst. Es bedeutet, dass dein Geld in bezahlter Reichweite mehr bewirkt als in Content, der ohnehin niemanden erreicht. Halte das Profil gepflegt und aktuell, und steck das Budget in Kampagnen mit klarer Zielgruppe.

Dreimal Ja heisst: Bau organisch auf und nutze bezahlte Reichweite als Verstärker. Ein guter Indikator dafür, welcher Beitrag Budget verdient, ist der Anteil an Menschen, die dir nicht folgen. Läuft ein Beitrag organisch bei Fremden, verstärke ihn. Das ist deutlich zuverlässiger, als vorab zu raten, welches Motiv funktioniert.

Und die Verbindung zu Google

Auf Meta erreichst du Menschen, die gerade nicht suchen. Auf Google greifst du Nachfrage ab, die bereits existiert. Welcher Kanal zuerst dran ist, hängt davon ab, ob dein Angebot aktiv gesucht wird, wie erklärungsbedürftig es ist und was du intern leisten kannst.

SEO oder Google Ads, was Sichtbarkeit steuerbar macht

Diese Priorisierung ist Strategiearbeit, und sie fällt bei jedem Unternehmen anders aus. Wenn du wissen willst, wo dein Budget zuerst hingehört, schauen wir uns deine Ausgangslage gemeinsam an.

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Häufig gestellte Fragen

Auf Facebook erreichen Unternehmensseiten 2 bis 5 Prozent ihrer Follower pro Beitrag. Auf Instagram liegt ein Feed-Post bei rund 12 Prozent, eine Story bei etwa 2 Prozent.

Kaum. Meta verteilt Inhalte nach Interesse und Engagement-Signalen, nicht nach Followerzahl. Ein guter Beitrag erreicht Fremde, ein schwacher erreicht auch die eigenen Follower nicht.

Das hängt von Zielgruppe, Marge und Ziel ab. Als Orientierung: Bei Klickpreisen zwischen 0.40 und 2.00 Euro und einem Kontaktpreis von 5 bis 15 Euro braucht eine Kampagne genug Volumen, um überhaupt aus der Lernphase zu kommen. Zu kleine Budgets erzeugen nur Streuung.

Für Bestandskunden vielleicht, für neue Reichweite nicht. Statische Beiträge erreichen deutlich weniger Menschen als Videoformate und liefern die Signale nicht, über die Meta Inhalte an Nicht-Follower ausspielt.